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Irland weint

Irland weint, obwohl auch nicht wirklich. Eigentlich ist Irland nicht traurig sondern sauer. Die Klatsche gegen die deutsche Nationalmannschaft und das im heimischen Stadion hat geschmerzt. Eine solche Packung hat es auch wirklich lange nicht gesetzt. Die Fernsehkommentatoren waren entsprechend ungnädig mit den Boys in Green und natürlich auch Trainer Trapattoni. Dabei kann der nun wirklich nichts dafür. Was soll er machen? Selber spielen?

Als Deutscher hätte ich da fast einen seiner legendären Wutausbrüche erwartet. Wahrscheinlich kann er Flasche leer nicht auf Englisch und einen Struuuuuunz hat er auch nicht im Team. Immerhin hat ein Gutteil der Fans sich in der nachfolgenden Diskussion auf die Seite des Trainers geschlagen. Er hatte nun einmal nicht die notwendige Qualität im Kader und die Deutschen hatten einen ihrer besseren Tage erwischt.


Dass die Teutonen selbst beim Stand von 4:0 noch nachtreten, hätte den Iren eigentlich bekannt sein können. Immerhin sind Jogis Jungs für einige der höchsten Pflichtspielsiege der Geschichte bekannt. Einen Gegner - auch im eigenen Stadion - zu demütigen, macht den Deutschen nichts aus. Ganz im Gegenteil; die Packung kann gar nicht hoch genug ausfallen. Entsprechend lang sind die Gesichter im Moment.

Während man im Verlaufe der zweiten Halbzeit fast davon ausgehen konnte, dass Trapattoni sofort gefeuert wird, überwiegt im Nachhinein jetzt doch der Gedanke, dass dieses Spiel eh keinen Unterschied gemacht hat. Punkte holt man in der Gruppe nicht gegen Deutschland sondern es geht um den Titel „Best oft he rest“. Der Kampf ist um Platz zwei. Da heißen die Gegner Schweden und Österreich.

Das grundsätzliche Problem bleibt aber natürlich bestehen: Mit einer Leistung wie gegen die deutsche Nationalmannschaft gewinnt man gegen keines der Teams in der Qualifikationsgruppe irgendwelche Blumentöpfe. Die Abwesenheit der alten Haudegen, ganz besonders Robbie Keane, kann die Mannschaft im Moment nicht kompensieren. Gerade Keane ist bekannt dafür, dass er die wichtigen Tore schießt.

Alt ausgesehen haben die Iren gegen große Nationen häufig nur hat sich das selten im Ergebnis reflektiert. Ein, zwei schnelle Konter und ein glückliches Tor, so haben sie sich die Iren in der Vergangenheit öfter mal aus der Affäre gezogen. Diesmal fehlte dieses Überraschungsmoment und auch der fast schon tödliche Abschluss vor dem Tor. Die Iren waren in der Vergangenheit für ihre Abwehr bekannt und dass sie aus einer Chance zwei Tore machen können. Davon war gegen Deutschland nichts zu sehen.


Ob Trapattoni der richtige Mann ist, eine neue Generation heran zu ziehen, die dann auch international wettbewerbsfähig, muss man fast bezweifeln. Er ist, was modernen Fußball angeht, ein Antipode. Der hätte am liebsten eine Viererkette mit Libero und drei defensiven Mittelfeldspielern. So wirklich Alternativen scheint es aber auch nicht zu geben.

Vermutlich werden sich die Iren mit dem Gedanken anfreunden müssen, ein paar Jahre international abgemeldet zu sein. Eine Zäsur, wie es sie in Deutschland nach der verkorksten EM in Holland gab, braucht Zeit und man müsste damit auch erst einmal anfangen. Ob Irland dafür im Moment Geld und den sicher auch nötigen Willen hat, wage ich fast zu bezweifeln. Wünschen würde ich es mir schon.

Ein internationales Turnier ohne irische Fans ist nun mal um einiges ärmer. Die Iren sind, zumindest was ihre Fans angeht, Weltmeister. Den letzten Beweis dafür haben sie sicher bei der EM in Polen und der Ukraine abgeliefert, als sie trotz des 4:0 Rückstandes gegen Welt- und Europameister Spanien mit mächtiger Stimme die Ballade Fields of Athenry im Stadion intonierten. Das sind Gänsehautmomente. Von so etwas leben die großen Turniere.

Dass die irischen Fans immer für einen Spaß zu haben sind, kommt da noch hinzu. Eines meiner persönlichen Lieblingsbilder des letzten Turniers war, als sich irische Fans am Flughafen mit einem Schild haben ablichten lassen, Angela Merkel denkt wir sind arbeiten. Hoffen wir mal, dass sie die Kurve kriegen. Sehr optimistisch bin ich für die WM allerdings nicht.



Dublin, 10/2012



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