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Tassen hoch am Karfreitag

Richter Tom O’Donnell am Limerick District Court traf diese Woche eine für Irland bahnbrechende Entscheidung. Er erließ eine Ausnahmegenehmigung für Pubs in Limerick, sodass sie am Karfreitag öffnen und Alkohol ausschenken dürfen. In Deutschland würde das sicher nicht mal ein Schulter zucken provozieren, für Irland ist das jedoch ein Grundsatzurteil mit zumindest potenziell weitreichenden Folgen. Bisher herrscht hier am Karfreitag nämlich striktes Alkoholverbot und die Begründung für die Ausnahmegenehmigung ist so lachhaft, dass dies wohl das Ende der staatlich verordneten "Trockenheit" am Karfreitag sein dürfte.

Irland ist in mancher Hinsicht anders als im Rest Europas. Ganz besonders deutlich wird das in der irischen Verfassung. An der werkelte nämlich die katholische Kirche mit. Das führte zu einigen interessanten Ergebnissen. So waren Ehescheidung lange per Gesetz verboten, Abtreibungen sowieso und an drei Tagen im Jahr herrschte Alkoholverbot, mussten die Pubs zu.

Nur die Wenigsten wissen, dass ursprünglich neben dem ersten Weihnachtsfeiertag und Karfreitag auch am St. Patricks Day Alkoholverbot herrschte. Dieses Gesetz wurde allerdings schon in fünfziger Jahren zurück genommen. Es blieben Karfreitag und Weihnachten.

Ganz besonders dieser Freitag vor Ostern ist den Leuten ein Dorn im Auge. Im Englischen heißt unser Karfreitag "Good Friday" nur das absolut gar nichts gut daran ist. Viele der älteren Iren erinnern sich noch, wie sie früher gleich zweimal zur Kirche mussten am "Good Friday" und die Messe dann auch noch Überlänge hatte. Albtraum ist ein Wort, was man in dem Zusammenhang häufig hört.

Nun ist es mittlerweile so, dass die meisten Leute am Karfreitag ganz normal arbeiten, die Geschäfte haben auch, nur halt das Pub nicht. In Anbetracht der in der jüngeren Vergangenheit ans Licht gekommenen Skandale hat die Kirche einen großen Teil ihrer moralischen Autorität verloren und so überrascht es eigentlich nicht, dass dieses Bollwerk der christlich Konservativen nun endlich bröckelt.

Die Pubbesitzer von Limerick nahmen nun ein Rugbyspiel zum Anlass, eine Ausnahmegenehmigung zu erlangen. Dieses Jahr fällt das Spiel Munster gegen Leinster halt auf den 2.4. und eine solche Gelegenheit kann man sich doch nicht entgehen lassen.

Interessant an der am Ende gar nicht so überraschenden Entscheidung ist, dass es im Prinzip ein ganz reguläres Match aus der Magners League ist; kein Finale oder Heinecken Cup Spiel, nein ein ganz reguläres Spiel. Die Entsprechung in Fußballwelt wäre wohl ein Spitzenspiel in der Bundesliga. Ist das etwas so Besonderes, dass dafür ein über 80 Jahre altes Gesetz ausgehebelt werden muss?

Zudem ruft die räumliche Einschränkung auf "Limerick und angrenzende Gebiete" die ersten Spötter auf den Plan. So gab es erste Stimmen aus Cork, dass man ja traditionell schon immer eng zusammenhing und auch räumlich kaum zu trennen sei. Und der Bergzug, der die Grafschaft Cork und die Grafschaft Limerick trennt; ja so dicht besiedelt sei der, das also wirklich nein eigentlich ist man schon benachbart.

Andere Pubs überlegen nun, was für ein spezielles Event in ihrer Nachbarschaft stattfindet, dass man vielleicht auch eine Ausnahmegenehmigung erhält. Ein Spiel zeitlich zu verlegen ist ja eigentlich kein Problem.


Allgemein scheint man der Auffassung zu sein, dass der Richterspruch das Ende der Karfreitagsprohibition bedeutet. Alles Andere wäre lächerlich. Und nicht wenige Stimmen weisen dieser Tage darauf hin, dass man Teil von Europa sei und sich vielleicht auch etwas an europäischen Gesetzen orientieren sollte. So ein Alkoholverbot gibt es schließlich nur in Irland.


Immerhin ein paar Leute bedauern die Entscheidung; Barleute zum Beispiel. Karfreitag war traditionell der Tag, wo die sich privat treffen und feiern. Sonst arbeiten Barleute ja immer.

Ein paar Kritiker bedauerten auch, dass der schnöde Mammon über den Glauben siegt. Andere fühlen sich ihrer Sicht bestätigt, dass Irland ein Land der Suffköpfe ist und sich nicht einmal für einen Tag zurückhalten kann.Dagegen halten würde ich, dass es so etwas wie Zurückhaltung noch nie gab. Anstelle des Pubs wurde halt zuhause gesoffen. Die Hamsterkäufe vor Karfreitag waren legendär. Die Leute schleppten Bier palettenweise aus dem Supermarkt. Wahrscheinlich wurde am Ende mehr getrunken als im Pub. Zu Hause gibt es schließlich auch keine Sperrstunde. Nun ja.

Limerick erwartet übrigens Einnahmen von rund 7 Millionen Euro. So viel ist die Entscheidung des Richters wert. Mich würde interessieren, ob der lokale Buchmacher Wetten annimmt, wie lang die Karawane von "Rugbyfans" sein wird, die sich Karfreitag ins gelobte Land begibt; wo es Milch und Honig und - mit höchst richterlichem Segen - Bier gibt.



Dublin, 03/2010



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