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Schadenfreude, schönste Freude

Irland ist bei der WM in Südafrika bekanntlich nicht vertreten und das liegt - neben der eigenen Unfähigkeit, Tore zu schießen - an einem irregulären Tor im letzten Qualifikationsspiel gegen Frankreich. „The hand of frog“ titulierte die englischsprachige Presse den Treffer in der Verlängerung; die Hand des Frosches also. Thiery Henry avancierte mit seiner unsportlichen Aktion vom wohlgelittenen Vorzeigesportler zum Buhmann und meistgehassten Fußballer aller Zeiten. Dass Irland - Ausgleich hin oder her - ein zweites Tor gebraucht hätte, um sich zu qualifizieren, es eigentlich also keinen Unterschied machte, wurde in der Diskussion übersehen, aber so ist das halt, wenn die Emotionen hoch kochen.

Die darauf folgenden, recht peinlichen Versuche, sich zu beschweren, überspringen wir mal und kommen zum eigentlichen Thema. Wenn man schon nicht selber dabei ist, kann man sich immerhin über das Missgeschick anderer freuen und das tun die Iren im Moment mit großer Wonne. Die irische Fernsehanstalt RTE scheint den ansonsten für öffentlich rechtliche Fernsehanstalten geltenden Kodex im Bezug auf Neutralität jedenfalls nicht unterworfen zu sein. Anders lassen sich die Kommentar dort nicht erklären.

Da die Mexikaner im Spiel gegen Frankreich in grünen Shirts antraten wurden sie kurzerhand zu den „Boys in Green“ befördert. Dieser Titel ist eigentlich der irischen Nationalmannschaft vorbehalten. Als die Franzosen dann richtig schlecht spielten, ließen die ersten hämischen Kommentare nicht auf sich warten. Der Höhepunkt aber kam, als die Mexikaner ein Tor aus schwer abseitsverdächtiger Position erzielten. Ausgleichende Gerechtigkeit war da noch einer der freundlicheren Kommentare.

Die Diagnose des Moderatorenteams aus George Hamilton und Trevor Steven war jedenfalls eindeutig; sie haben bekommen was sie verdienen und „what goes around comes around“. Das Pendel schwingt halt mal in die eine und mal in die andere Richtung.

So richtig über die Franzosen herzogen dann allerdings erst die drei weisen Männer der RTE; Eamon Dunphy, Johnny Giles und Liam Brady. Von political correctness haben die ihr Lebtag noch nicht gehört und wer sie nicht kennt; stellt euch einfach Waldorf und Stadler, die beiden Alten aus der Muppet Show vor.

Die fragten sich dann gleich mal, ob es irgendjemandem Leid tue für die Franzosen und die Antwort war ein klares Nein. Danach wurden die Unfähigkeit des Teams und natürlich das gestörte Verhältnis zum Trainer noch einmal ausführlich diskutiert und wie üblich mit dem Hinweis, das bei einer Weltmeisterschaft wie dieser Irland wahrscheinlich sehr weit gekommen wäre. Dieser Illusion geben sich alle Iren hin.

Dass die irische Presse alles andere als gnädig mit den Franzosen umgehen würde, war dann eigentlich klar. Ein typisches Zitat: Nur die wenigsten werden eine Träne vergießen ob der Misere ("Few will shed any tears at their current plight" Irish Examiner). Fast noch schöner ist: "To add to the delight of those of a bitter disposition, there was more than a hint of controversy about the second-half goal that put Mexico on the road to victory last night". Man also stellt fest, dass die Fragwürdigkeit der Entscheidung des Linienrichters, das Ganze also noch erfreulicher macht.

Manch einer erklärte die Entscheidung sogar für korrekt. Immerhin war der mexikanische Spieler noch mit einem halben Fuß „onsite“. Wäre eine solche Entscheidung gegen Irland gefallen, hätte man den Schiri gekreuzigt.


Einig ist man sich, dass Frankreich bekommt, was es verdient. Schadenfreude ist halt doch die schönste Freude.



Dublin, 06/2010



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