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Notstand in Irland

In Irland ist Chaos ausgebrochen. Seit Wochen hat eisige Kälte das Land im Griff und nun hat es auch noch geschneit. Es gab zwar nur 5 Zentimeter Neuschnee, aber das hat gereicht, das Land in die Knie zu zwingen. Der Flughafen wurde geschlossen und der öffentliche Nahverkehr brach zusammen. Dublin Bus beschloss kurzerhand, links ran zu fahren und abzuwarten. Wer auf Busse angewiesen war, hatte Pech und musste laufen.

Viel schneller ging es im Auto allerdings auch nicht. Da irische Autofahrer Schnee nicht kennen, fahren sie entweder gar nicht mehr oder so langsam, dass sich der Verkehr auf Kilometer staut.

Selbst professionelle Fahrer (wenn man LKW Fahrer denn so nennen kann) hatten ihre Probleme. Man sollte denken, dass die wissen was sie tun, ist aber nicht. Selbst ein LKW, der an einer ebenen Kreuzung schon nicht vom Fleck kam, weil die Räder durchdrehten, versuchte im Anschluss darin, einen Hügel hochzukommen. Das war natürlich ein aussichtsloses Unterfangen, also rutsche er rückwärts wieder runter. Das führte zu Panikattacken in den Fahrzeugen hinter ihm, aber was soll man machen.

Da es in Irland praktisch nie schneit, hat niemand hier Winterreifen oder Schneeketten. Selbst die leichteste Steigung wird zur echten Hürde. Eine stattliche Gruppe von Fahrern scheint selbst die elementarsten Regeln bei Glätte nicht zu kennen. Obwohl auf allen Radiostationen Instruktionen verlesen wurde, versuchten immer noch Leute, durchdrehenden Reifen durch kräftig Gas geben zu begegnen. Sieht lustig aus, wenn die dann seitwärts gegen den Bordstein driften und langsam in Panik verfallen, während sie immer noch mehr Gas geben.

Da Schnee und Kälte uns nun schon ein paar Tage im Griff haben, ist dem Land das Streusalz ausgegangen. Schneepflüge verwendet man hier eh nicht, allzu viele gibt es davon sowieso nicht.

Die Rezession hat das Land eigentlich hart genug getroffen und nun auch noch Schneechaos. Es ist schon ein Leid.


Mittlerweile gibt es auch einigen Unmut im Land, die Situation verschlechtert sich praktisch täglich. Da es kaum noch Streugut gibt, werden wohl die ersten Straßen geschlossen werden. Die meisten Schulen blieben von vornherein zu, was mit den anstehenden Uni-Klausuren ist, weiß momentan keiner. Zu allem überfluss ist der Verkehrminister im Urlaub und lässt nichts von sich hören. Das ärgert die Steuerzahler, die wegen der Straßenverhältnisse nicht zur Arbeit kommen, gewaltig und entsprechend schlecht ist die Stimmung.

Ich persönlich glaube ja nicht, dass es irgendeinen Unterschied macht, ob der Minister im Land ist. Seine Inkompetenz hat der schon nachhaltig unter Beweis gestellt. Da bedarf es keines weiteren Nachweises. Es ist vielleicht sogar besser, wenn er durch Abwesenheit glänzt. Da kann er wenigstens nichts falsch machen.

Ich verstehe irgendwie auch, dass die Leute sich beschweren. Es ist schon ein ziemliches Chaos. Man muss fairer Weise aber auch sagen, dass es einen solchen Winter das letzte Mal 1741 gab. Richtig dolle Schnee gibt es statistisch wohl alle 25 bis 30 Jahre, da ist es Unfug gewaltigen Mengen an Streugut zu horten. Dass es nun ausgerechnet an Sylvester (mit nachfolgend langem Wochenende) schneien musste, war auch etwas Pech. Da war halt keiner im Büro, um die Situation zu analysieren, Bestände zu checken oder gar etwas zu unternehmen. Mittlerweile hat man Streugut nachbestellt, bis das kommt, ist die Kältewelle aber wohl vorbei.

In der Zwischenzeit machen Berichte die Runde über die Zahl der Unfälle. Das große Problem sind aber nicht Autos, es sind die Fußgänger. Iren wissen nicht nur nicht, wie man auf Schnee fährt, sie wissen auch nicht wie man bei Glätte läuft. Wie sollen sie das auch wissen. Das letzte Mal ernsthaft geschneit hat es Anfang der achtziger Jahre. Die meisten Leute kennen Schnee nur aus dem Fernsehen. Ich hörte, dass die Zahl der Verletzten schon jetzt in die Tausende geht. Gebrochene Knochen und geprellt Steißbeine soweit das Auge reicht.

Teilweise wurden unter -10 Grad gemessen, es ist also nur noch eine Frage der Zeit, wann die Wasserleitungen einfrieren. Viele Wassertanks sind unterm Dach, viele Abwasserleitungen außen am Haus. Auf tiefe Temperaturen ist hier niemand eingestellt. Es ist eine mittlere Katastrophe.

Hoffen wir mal, dass es bald wärmer wird. Meine Heizung ist auf minus 10 Grad nämlich auch nicht ausgelegt. Die Rechnung wird sicher astronomisch. Immerhin bin ich auf eine Idee gekommen, mein eigenes Wohlbefinden zu verbessern. Auf arktische Temperaturen und Schneechaos gibt es nur eine vernünftige Antwort: Verreisen. Ich habe also einen Flug nach Thailand gebucht. Jeder so wie er kann!



Dublin, 01/2010



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- Erlternzeit statt Mutterschutz?

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- Irland sagt JA
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Texte © Kristos the Graceless

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