Irland
erleben
Irland
kann man sicherlich auch als Urlauber genießen, um richtig
in das irische Leben einzutauchen, muss man allerdings eine
Weile hier verbracht haben. Obwohl Deutschland im internationalen
Vergleich relativ großzügig bei der Bemessung der
Urlaubstage ist, reichen die natürlich trotzdem vorn und
hinten nicht. Für mich persönlich ist alles unter
6 Monaten ohnehin nur eine Kurztrip, aber wie meine lieben Freunde
und Verwandten so schön sagen, ich bin auch nicht ganz
dicht.
Lassen
wir das mal so stehen. Die Alternative zu Urlaub in Irland ist
Auswandern. Das Risiko und auch die Hemmschwelle ist da allerdings
etwas höher. Was dem Seamus sein Paradies mag dem Paddy
seine Hölle sein. Es will also genau überlegt sein.
Alternativen
Da
es immer wieder Anfragen gab, habe ich mich jetzt tatsächlich
einmal aufgerafft und schlau gemacht. OK, ich will nicht lügen.
Ich habe mich eigentlich nicht besonders schlau gemacht, es
ist mir eher so in den Schoß gefallen im Sinne von an
mich herangetragen worden. Das macht aber nichts. Ich habe keinerlei
schlechtes Gewissen dabei, dies als das Resultat monatelanger
Recherche zu verkaufen, denn das Ergebnis stimmt und nur darauf
kommt es an. Am Ende interessiert es kein weibliches Hausschwein
um den Begriff Sau zu vermeiden, wie die Jungfrau zum Kind kam.
Also, wie stehen die Chancen für Leute, die nicht gleich
ganz ins kalte Wasser springen möchten? Was machen Zeitgenossen,
die nur mal etwas Irland schnuppern, aber nicht gleich die Zelte
in der Heimat abbrechen wollen?
Die
gute Nachricht ist, da gibt es Möglichkeiten, die schlechte,
die Angebote zum Beispiel für eine Weile auf einem Bauernhof
oder einer Pferdefarm in Irland zu jobben, richten sich eher
an junge Leute. Wirklich überraschen wird uns das sicher
nicht.
1)
Sprachreisen
Was
braucht man, um in Irland über die Runden zu kommen? Wer
jetzt spontan gesagt hat, einen dicken Pullover, Schirm und
eine Leber aus V2A-Stahl liegt natürlich völlig richtig,
allerdings gibt es da noch ein kleines Detail: Englisch. Zumindest
oberflächliche Kenntnisse der zweiten Landessprache sollte
man haben, wen man von Land und Leuten etwas mehr mitbekommen
möchte.
Ich
erinnere mich - wenn zugegebenermaßen auch recht dunkel
- an meine alte Schule. Eine typische Englischstunde begann
damit, dass meine Englischlehrerin entweder krank oder schwanger
war. In den Jahren, die ich theoretisch Englisch an der Schule
hatte, war sie insgesamt vielleicht sechs Monate da. In diesen
sechs Monaten versuchte sie ihr Bestes, bei mir allerdings vergeblich.
Das Resultat war, dass ich die Schule mit einer anständigen
Note aber ohne jegliche Ahnung (zumindest im Bezug auf den sprachlichen
Aspekt der insulanischen Mundart) verließ.
Ich
habe English im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße
gelernt und später durch das Fernsehen. Dass ich heute
fließend Englisch spreche, verdanke ich der BBC und den
Untertiteln für Hörgeschädigte. Das funktioniert
wirklich. Viele Sachen kann man geschrieben einigermaßen
deuten, wenn man sie dann oft genug hört, kann man sie
bald auch ohne Untertitel verstehen.
Die
Kenntnis der englischen Grammatik bleibt dabei natürlich
etwas auf der Strecke, vom grammatikalischen Standpunkt ist
mein Englisch ungefähr so gut wie mein Mandarin oder Altgriechisch
(= Null). Diese Grammatikschwäche teile ich mit 99.99999999
Prozent der Briten und Iren, es fällt also nicht weiter
auf.
Englisch
auf diesem Weg zu lernen, mag cool sein, es geht aber auch einfacher.
Der wie ich finde beste Weg sind Sprachreisen. Man erkundet
das Land in einer bunt gemischten Gruppe, lernt dabei nicht
nur Irland und die Iren kennen, sondern lernt ganz nebenbei
auch noch etwas Englisch.

Einer der bekanntesten Anbieter für solche Reisen ist Carpe
Diem. Der Name ist Programm, man nutzt im wahrsten
Sinne den Tag, hat eine luschtige Zeit auf der Insel und es
kommt sogar was dabei raus.
In Anbetracht meiner Verdienste um die Verbreitung von Unsinnigkeiten
im Bezug auf Irland ist Carpe Diem nun auch ganz offiziell dem
Seamus Fan Club beigetreten. Wer sich für eine Sprachreise
interessiert, sollte einfach mal bei denen reinschauen. Bisher
habe ich jedenfalls nur Gutes von denen gehört und das
sie diese Seite gefunden und von sich aus eine Kooperation angeboten
haben, adelt sie ja auch irgendwie.
2)
Mit den Schafen heulen
Etwas
ganz Spezielles haben sich die Genossinnen und Genossen der
Kolchose mit dem etwas anglizistischen anmutenden Namen TravelWorks
einfallen lassen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, dynamische
und irlandbegeisterte Frischluftfanatiker auf irische Farmen
zu vermitteln. Bis zu einem Jahr kann man auf einer irischen
Farm leben und arbeiten. Viel tiefer kann man in das irische
Leben wirklich nicht eintauchen. Das Ganze gibt es nicht nur
gratis sondern man verdient auch noch was nebenbei.

Je nach Interesse kann man auf einer "gemischten Farm"
(was auch immer das sein mag), einem milchwirtschaftlichen Betrieb,
einem Hof mit Fremdenzimmern oder einer Pferdefarm jobben. Für
alle City Slicker, Pferdenarren, Jungbauer und solche die es
werden wollen, ist das sicherlich ein hochinteressantes Angebot.
Mehr Informationen gibt es auf deren Webseite. Die vermitteln
übrigens nicht nur Irland sondern auch Australien (Ich
vermute mal Kängurupsychiater oder Krokodildompteur) und
viele andere feine Sachen.
3.) Same, same but different
In
eine ähnliche Richtung geht auch die Seite Gap
Year. Wer eine Lücke zwischen Schulabschluss
und Studium oder zwei Jobs, Ehen oder was auch immer füllen
möchte, kann sich bei denen anmelden. Die vermitteln zum
Beispiel Sprachkurse in Kombination mit einem Berufspraktikum,
günstige Langzeitaufenthalte, offenbar kann man auch mehrere
Länder und Sprachen kombinieren.
Dass man Sprachen am besten dort lernt, wo sie gesprochen werden,
mag keine besonders revolutionäre Erkenntnis sein, wahr
ist es trotzdem. Seit ich auf Irland wohne, versteht mich jedenfalls
niemand mehr, ich habe die lokale Mundart etwas zu sehr verinnerlicht.

Und
bevor ich jetzt hier vor Überarbeitung einen Kollaps kriege,
möchte ich dieses Kapitel schließen. Wer doch lieber
ins kalte Wasser springen möchte, guckt bitte in der Rubrik
"Jobben im gelobten Land"
nach. Ich widme mich jetzt wieder meinen ganz persönlichen
Sprachstudien und natürlich der Traditionspflege. Und,
wo lernt man am meisten über Iren? Ganz recht, im Pub.