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Irland Rundreise für Fortgeschrittene Teil II


Ich schwöre beim Barte meiner Schwiegermutter, dieses Mal sind wir wirklich unterwegs und machen nicht nur alles madig; großes Häuptlingindianerehrenwort. Im Teil II unserer Irlandrundreise für Fortgeschrittene wollen wir uns also endlich auf die Reise machen.

Der Bequemlichkeit halber nehme ich mal an, dass die Anreise per Flug nach Dublin erfolgt. Dublin mag nicht so der Kracher sein, so schlecht ist es aber auch nicht und zumindest einen Abend in Temple Bar sollte man mitnehmen. Es lohnt sich.

Die Wahl der Lokalität ist dabei Geschmackssache, ich persönlich würde mich an den Literary Pub Crawl halten, wenn ich nur einen Abend in der Hauptstadt hätte. Der umfasst neben den Werken irischer Klassiker auch einen netten Rundgang mit Besuch einiger exzellenter Wirtschaften.

Den Nachmittag kann man sich zum Beispiel auf einem der Dublin Tourbusse vertreiben. Die halten an so ziemlich allen sehenswerten Würdigkeiten der Hauptstadt. Man kann jederzeit aussteigen, sich die Sache genauer ansehen und dann einfach mit dem nächsten Bus weiterfahren. Wie gesagt, allzu viel Zeit würde ich in Dublin nicht verplempern.


In unmittelbarer Nähe der Hauptstadt Irlands gibt es gleich eine ganze Reihe sehenswerter Orte und so nehmen wir uns das für den nächsten Tag vor. Zunächst halten wir uns mal südlich. Auf dem Weg in die Wicklows liegen mit Dun laoghaire (sprich: Dannlierie), Blackrock und Bray einige der schmucksten Dubliner Stadtteile. Ob man verweilt liegt in der Hauptsache wohl daran, wie viel Zeit man mitbringt.

Die Wicklow Mountains sind - wie der Name schon sagt - schön bergig und auch ansonsten ausgesprochen sehenswert. Der wichtigste Besuchermagnet ist sicher Glendalough. Der Legende nach zog sich hierher der heilige Kevin zurück und gründete ein Kloster. Der Ort entwickelte sich schnell zu einem der religiösen Zentren in Irland und blieb es bis ins 14. Jahrhundert, als es weitgehend zerstört wurde. Übrig geblieben ist der anheimelnde Friedhof mit Rundturm und Kapelle. Da er in einer ganz wunderschönen Ecke Irlands liegt, erfreut er sich bis heute großer Popularität. Tatsächlich kann man dem Ort eine gewisse Magie nicht absprechen.

Weitere Anlaufpunkte in den Wicklows wären das alte Bergarbeiterdorf nahe Glendalough, Powerscourt und direkt nebenan der mit 120 Metern höchste Wasserfall der Grünen Insel. Sehr beliebt ist auch das Johnny Fox’s Pub, das immerhin höchstgelegene Wirtshaus Irlands.

Das ist alles nicht schlecht, soweit es mich angeht, liegen die wahren Perlen der Region Dublin jedoch nördlich der Hauptstadt. Das mag daran liegen, dass ich in einem früheren Leben mal Archäologie studiert habe. Die Schönheit eines Monuments wie Newgrange, eines voll intakten Ganggrabs, älter als die ägyptischen Pyramiden, erschließt sich sicher aber auch dem Laien. Newgrange liegt im Boyne-Tal und ist Teil eines riesigen Komplexes mit insgesamt 35-40 dieser Ganggräber. Empfehlen würde ich neben Newgrange selbst auch noch Knowth.

Knowth - Ganggrab nahe Newgrange
Knowth - Ganggrab nahe Newgrange
Kloster Kells
Kloster Kells
Monasterboyce
Monasterboyce
Trim Castle bei Dublin
Trim Castle bei Dublin

Von Bru na Boinne - so der offizielle Name der Region - geht es gen Slane. Die Strecke ist wunderschön und in Slane erwartet uns das gleichnamige Castle. Das kann man sich ansehen, muss man aber nicht.

Weitere Highlights in der Gegend sind Kells - daher stammt das berühmte Book of Kells im Dubliner Trinity College - und Monasterboyce mit dem über fünf Meter hohen Muirdach's Cross, dem ganze sieben Meter hohen West Cross und natürlich dem typischen Rundturm.

Ganz in der Nähe liegt auch die nicht ganz so bekannte aber mindestens ebenso sehenswerte Mellifont Abbey. Mein persönliches Highlight dort ist das hexagonale Waschhaus.

Etwas weiter gen Norden liegt mit Lough Crew ein weiteres Ganggrab, das vor allem durch seine Abgeschiedenheit besticht. Hier gibt es kein Besucherzentrum, allein die Suche danach gerät schnell zur Odyssee. Ich habe mich insgesamt drei Mal verfahren, was aber daran lag, dass ich der Ausschilderung vertraut habe; ein typischer Anfängerfehler in Irland.



Geschmäcker sind verschieden, es ist aber sicher normal einen klaren Favoriten zu haben. Nachdem ich vorhin den kleinen Hinweis gestreut habe, dass ich früher mal Archäologie studiert habe, wird jetzt jeder denken, dass die Sache klar ist und ich Newgrange in den Himmel lobe. Das tue ich zwar und ich bin ganz ernsthaft der Ansicht, dass dieses Megalithgrab auf einer Stufe mit den ägyptischen Pyramiden und dem englischen Stonehenge steht, trotzdem heißt mein ganz persönlicher Favorit: Trim.

Die Ortschaft liegt in Spuckweite von Dublin und ist schon auf den ersten Blick ausgesprochen lieblich. Was es zu einem echten Kracher macht ist allerdings die lokale Normannenfeste. Die ist nicht nur die größte ihrer Art sondern außerdem auch noch richtig gut erhalten. Ich bin sonst kein großer Freund von Eintritt und Führung, in diesem Fall würde ich aber eine Ausnahme machen. Die Burg ist von innen mindestens so beeindruckend wie von außen (also sehr) und man hat einen wunderschönen Blick vom Dach. Der wird lediglich getrübt von dem neu erbauten 50 Sterne Hotel gleich neben der Burg, wofür - wer auch immer das verantwortet hat - 50 Hiebe mit der groben Kelle verdient hätte. Trotz dieses kleinen Wermutstropfens ist es nach wie vor ein wunderschönes Örtchen und wer denkt, dass es das schon gewesen ist, irrt.

Ich Schutze der Burg ließen sich seinerzeit Mönche nieder und bauten ein Kloster. Die Überreste dessen sind in unmittelbarer Nähe der Burg zu bewundern. Vom Kloster geht man über eine niedliche kleine Steinbrücke und kommt zu einem ganz bezaubernden kleinen Friedhof mit den Ruinen einer Kathedrale. Die Anlage liegt, wie auch alles andere in Trim an den Ufern des Boyne.

An einem schönen Sommertag - derer gab es in letzter Zeit zugegeben nicht viele - ist Trim in fast jeder Hinsicht der ideale Ausflugsort. Das Einzige, was dem Ort fehlt ist ein schöner Sandstrand mit Blick aufs Meer, das wäre dann aber wohl zu viel des Guten. Die Normannenfeste kennt übrigens fast jeder, auch wenn man sich dessen nicht bewusst sein mag. Sie hat in Mel Gibsons Monumentalschinken Braveheart mitgespielt. Was während der Dreharbeiten in den kleinen Örtchen abging, sorgt bis heute für Gesprächsstoff in den lokalen Wirtshäusern. Den Film, das nur am Rande, sollte man unbedingt im Original sehen. Die deutsche Synchronisation ist eine Katastrophe.


Neugierig geworden? Na dann los!



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