Irland
Rundreise für Fortgeschrittene Teil III
Nachdem
wir uns die Region um Dublin in aller Ruhe angesehen haben, ist es
nun an der Zeit, den Norden der Insel zu erkunden. Das kann man im
Prinzip auch per Bus, allerdings würde ich zum Leih eine Automobils
raten.
Die
meisten Menschen haben bekanntlich eine Art Rechtsdrall, was zumindest
Supermärkte wissen und allen guten Sachen am Ende der projizierten
Einkaufsrunde verstecken. Auf die Art muss man durch den gesamten
Supermarkt schweifen, um das eigentlich Gesuchte zu finden. Da wir
uns für "Mavericks" halten, ignorieren wir den uns
angeborenen Rechtsdrall und halten uns erst einmal links.
Unser erstes Ziel liegt auf halbem Weg nach Galway nahe Athlone im
County Offaly: Clonmacnoise. Die Klosteranlage aus
dem 6. Jahrhundert zählt zu den bedeutendsten ihrer Art und ist
einer der wichtigsten Besuchermagneten des Landes. Sie ist idyllisch
gelegen am Shannon und überzeugt mit ihren Ruinen, Rundtürmen
und Hochkreuzen. Im Besucherzentrum gibt es zudem eine kleine Ausstellung,
wo ihr unter anderem auch das Original des "Cross of the Scriptures" findet.
Um es vor Witterungseinflüssen zu schützen wurde draußen
eine Kopie aufgestellt und das Original wohl behütet in die Ausstellung
integriert.
Von
Clonmacnoise folgen wir der N61 Richtung Roscommon. Dort biegen wir
auf die N60 Richtung Castlebar ab oder folgen der N61 bis sie auf
die N5 trifft. Es macht keinen echten Unterschied. Der Weg führt uns durch das Herz Irlands mit seiner
eher sanften, grünen Landschaft. Kurz vor Castlebar (an der N5)
liegt das Museum of Country Life. Das hört sich jetzt zwar nicht
so wie der Kracher an, ist aber ganz putzig. Zu sehen gibt es dort
einen schicken Park, Gewächshäuser und natürlich das
Turlough Park House, wo wir etwas über das oft gar nicht so lustige
Landleben erfahren. es mag sich nicht spektakulär anhören,
mir hat es jedoch gefallen. Zudem liegt es am Weg und wir wollen ja
auch nicht nur im Auto sitzen.
Gleich
neben dem Museum of Country Life gibt es übrigens einen schmucken
Friedhof mit Rundturm. Der liegt auf einem kleine Hügel, man
halt also eine super Aussicht.
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| Kloster Clonmacnoise |
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| Kloster Clonmacnoise |
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| Achill -
am Atlantic Drive |
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| Achill -
am Atlantic Drive |
Zurück
auf die N5 begeben wir uns weiter gen Castlebar. Ich muss offen gestehen,
dass ich nie länger als vielleicht eine halbe Stunde dort verbracht
habe. Sehr viel kann ich dazu also nicht sagen. Castlebar ist die
Hauptstadt des County Mayo und erheblich größer als man
zuerst denkt. Hauptattraktion der Stadt ist die Christchurch aus dem
18. Jahrhundert, viel mehr zu sehen gibt es aber glaube ich nicht.
Je
nachdem wie viel Zeit einem an dieser Stelle bleibt, kann man von
Castlebar der N5 nach Westport fahren oder aber die Abkürzung
nehmen und der Ausschilderung nach Achill Island folgen. Da wollen
wir eigentlich hin.
Nehmen
wir an, ihr habt euch vorher schön beeilt und habt genügend
Zeit einen Schwenker über Westport zu machen. Der Ort liegt am
Südostende der Clew Bay und ist in zumindest einer Hinsicht etwas
Besonderes. Westport wurde als Stadt erst geplant und dann gebaut.
Es ist also nicht natürlich gewachsen. Insgesamt mag ich den
Ort, obwohl ich nicht wirklich begründen kann wieso. Es nichts
wirklich Spektakuläres dort zu sehen. Nach Westport fährt
man hauptsächlich wegen der Umgebung und derer gibt es eine ganze
Menge.
In direkter Nachbarschaft zum Beispiel liegt Croagh Patrick, eines
der berühmtesten Pilgerziele in Irland. Selbst wenn man es mit
dem Pilgern nicht so hat, wird einem der Croagh Patrick gefallen.
Der Berg verleiht dem Stadtbild ein ganz besonders schönes Panorama.
Ich habe ihn selber nie bestiegen, es kann aber nicht allzu kompliziert
sein. Schließlich schleppt RTE (das öffentlich rechtliche
Fernsehen) da zum Pilgerhöhepunkt sogar Kamera Equipment rauf,
um die Zeremonie zu übertragen. Und die meisten Pilger sind sicher
auch keine Alpinisten.
Und
noch ein kleiner Tipp noch: In Wesport befindet sich das Pub von Querflötenlegende
Matt Molloy. Wer die Nacht in der Stadt verbringt, sollte das auf
jeden Fall mitnehmen. Wir ziehen erstmal weiter.
Auf dem Weg nach Achill durchqueren wir noch Newport. Der Ort hat
den Charme eines Seebades (finde ich jedenfalls). Es ist schwer, sich dem zu entziehen.
Newport mag ein Kaff am Ende der Welt sein, aber es hat das gewisse
etwas. Dazu trägt vermutlich der Brown Oak River bei, der sich
durch die Stadt zieht, ganz sicher aber die Clew Bay mit ihren 365
kleinen Inseln. Die Landschaft ist faszinierend.
Von
Newport folgen wir der N59 gen nördlich. Die Straße zwischen
Newport und Mallaranny ist ein mittlerer Albtraum. Einen Mietwagenbesitzer
mag das nicht stören, wenn ich dort mit meinem geliebten alten
Saab 900 lang fahre, schmerzt mich jede Bodenwelle. Schön vorsichtig
fahren!
Immerhin
gibt es auch ein bisschen was zu sehen. Gleich hinter Newport an der
N59 kommt die Burrishoole Abbey. Das ist eine alte Klosterruine mit
angeschlossenem Friedhof und fantastischem Blick über eine ...
ja ich weiß offen gestanden nicht ob See oder Bucht ... sagen
wir mal Wasserfläche. Sieht jedenfalls toll aus und Hochkreuz
mit Wasser im Hintergrund ist ja auch immer ein schönes Fotomotiv.
Ein
Stückchen dahinter - wieder auf der N59 - liegt dann noch ein
Wehrturm, an dessen Namen ich mich aber nicht mal ansatzweise erinnern kann.
Eigentlich haben wir es an der Stelle auch eilig. Schließlich
sind wir dem Ziel unserer Reise an der Stelle schon recht nahe. Ein
kurzer Stop in Mallaranny vielleicht noch - die Aussicht auf die Clew
Bay ist spektakulär - und dann biegen wir auf die R319 nach Achill
Island.
Dabei
handelt es sich um eine enge, gewundene Straße, die sich malerisch
an den Nephin-Bergen vorbeischlängelt, im Vordergrund kleine
Seen, auf einem ist sogar ein Fischkutter. Vor allem nachts ist die
Strecke nicht ohne, die beinahe omnipräsenten Schafe helfen da
auch nicht gerade. Bitte schön vorsichtig.
Nach
einigen Kilometern durch die Pampa erreichen wir Achill Sound. Hier
findet sich die einzige Verbindung nach Achill. Es ist eine ... ja
ich würde jetzt gerne sagen mächtig gewaltige Spannbrücke,
die sich für endlose Kilometer über den tobenden Atlantik
spannt, ist es aber nicht. Die Brücke ist geschätzt vielleicht
30 Meter lang und wahrlich nicht beeindruckend. Ich bin ein Brückenfetischist,
vielleicht sollte ich das dazu sagen. Ich war enttäuscht.
Nach
Überquerung der Brücke sind wir endlich am heutigen Ziel:
Achill (sprich Aakill oder Äkill). Dem Atlantic Drive folgend
verlassen wir Achill Sound und fahren Westwärts immer der Nase
nach. Unser eigentliches Tagesziel ist das Valley House nahe Dugort.
Man muss eigentlich wissen, wo es ist, um es zu finden, aber versuchen
wir es mal.
Von
Achill Sound aus fahrt ihr ungefähr 5 Kilometer auf dem Atlantic
Drive, vorbei an Ted Lavelle's Pub und einer ESSO Station. Danach
ist es immer noch ein Stück zu fahren aber schließlich
kommt ihr an ein Straßengabelung, wo die Hauptstraße nach
Links schwenkt. Dort biegt ihr rechts ab. Alles Orientierungspunkt
könnt ihr auch nach dem B&B "The Grove" Ausschau
halten. Das ist dort an der Ecke. Rechts abgebogen folgt ihr der L1406
für ungefähr 3 Kilometer, dann kommt ihr an eine Kreuzung,
fahrt gerade drüber und dann nach dem Schild Valley House suchen.
Rechts abbiegen, an der weißen Villa halten, in den Hof gehen,
nach Pat fragen und bei der Gelegenheit ein Guinness bestellen. Ihr
seid da!
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| Achill -
am Atlantic Drive |
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| Achill -
Keem Beach |
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| Achill -
Keem Beach |
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| Achill -
Valley House |
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| Achill -
Valley House |
Warum
erkläre ich das so ausführlich? Das Valley House hat einen
besonderen Platz in meinem Herzen. Es ist mein liebster Ort in ganz
Irland. Achill ist so, wie man sich Irland immer vorstellt; grüne
Hügel, Schafe, Strand und nette Leut.
Das
Valley House selbst ist ein Hort der Gastlichkeit, ein Hostel in -
kein Scherz - einer alten Landvilla mit fantastischem Ambiente, geführt
von freundlichen Menschen und mit angeschlossenem Golfkurs und gemütlichen
Pub (ohne Sperrstunde). Es liegt mitten in der Pampa nahe einem tollen
Strand, im Sommer gibt es sogar was zu essen, ansonsten ein warmes
Torffeuer im Kamin und eigentlich jeden Abend eine Jamsession. Was
will man mehr? Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie oft ich in Achill
war, aber ich kann euch versichern, dass niemand, den ich da hingeschleift
habe, sich jemals beschwert hat (inklusive meiner Eltern, die aus
dem Hostelalter ansonsten lange raus sind).
Selbst
wer nicht im Valley House residiert wird auf Achill Spaß haben.
Die Insel ist toll und dank unserem literarischen Popstar Heinrich
Böll auch richtig berühmt. Sein irisches Tagebuch spielt
in weiten Teilen nämlich genau hier. Sein Cottage ist Teil jeder
anständigen (deutschen) Inselrundtour. Reingehen kann man leider
nicht, da es bis auf den heutigen tag Künstlern dient, die die
Seele baumeln lassen wollen. Die wollen nicht gestört werden.
Da es mittlerweile sicher spät genug ist, setzen wir uns ins
Valley Pub und lauschen der Musik. Meistens ist Alice da. Das ist
Pats Angeehelichte und damit eigentliche Chefin im Haus. Sie ist eine
formidable Sängerin, für Stimmung ist eigentlich immer gesorgt.
(Übernachtung sollte ihr übrigens im Voraus buchen: http://www.reservations.bookhostels.com/valley-house.com)
Einen
Tag würde ich in Achill mindestens einplanen. Vom Valley House
zurück zu der kleinen Kreuzung, dann rechts abbiegen und immer
der Straße folgen. Sie führt durch Dogart, dann vorbei
an einem fantastischen Strand (Golden Beach), Slievemore (schicker
Berg), dem Böll Cottage und einem Megalith Grab, schließlich
endet sie in einer T-Kreuzung. Wenn ihr euch da rechts haltet kommt
ihr ins "Deserted Village". Da ist ungefähr so viel
los wie der Name nahelegt, ist aber Teil einer anständigen Inseltour.
Von dort führt eine Wandertour (immer in Richtung Türmchen)
an einen supi Aussichtspunkt. Das ist allerdings eine etwas längere
Tour.
Wenn
ihr euch an der T-Kreuzung links haltet, kommt ihr nach Keel. Das
ist so eine Art Inselhauptstadt, trotzdem natürlich aber ein
Kaff. Dort rechts abbiegen und ihr seid wieder auf der Hauptstraße.
Wenn ihr der bis ans Ende folgt, kommt ihr an einen der malerischsten
Strände von ganz Irland: Keem Beach. Viel besser geht nicht.
Vom
Strand aus, könnt ihr auf den Berg gleich daneben klettern (oder
wandern) und werdet feststellen, dass das eigentlich eine gewaltige
Klippe ist. Spektakulös!
Wenn
ihr vom Strand aus zurück gen Keel fahrt - der Strand dort ist
ideal zum Surfen - und dann der Hauptstraße folgt, vorbei an
der Kreuzung zum Valley House und immer weiter fast bis nach Achill
Sound, kommt ihr schließlich an eine kleine Kreuzung, wo es
rechts nach Sraheens und Cloughmore geht. Da wollen wir hin.
An
der Strecke findet ihr unter anderem einen ganz bezaubernden Friedhof,
einen kleinen Wehrturm und jede Menge Gegend. Einfach immer der Straße
folgen. Sie führt über Dooega, dann vorbei am Berg Minaun
über einen Pass zurück auf die Hauptstraße. Lasst
euch Zeit, am Weg gibt es jede Menge zu entdecken und beschauen.
Wo
wir gerade bei Beschauen sind, ich fürchte wir werden die Tour
hier unterbrechen müssen. Der Trip durch den Norden ist halt
nichts für Raser. Wohin wir uns von Achill aus wenden, verrate
ich euch das nächste Mal.
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