Wetter
- Das leidige Thema
Irland
und Wetter, da gerät unsereins schnell mal ins Schwärmen.
Es ist aber auch toll manchmal. Vor kurzem wurde an mehreren
Orten gleichzeitig - und das war RTE, dem irisch-öffentlichen
Fernsehen glatt eine Eilmeldung wert - ein gelb leuchtendes,
blendendes Ding am Himmel gesichtet.
Nachdem die erste Panik sich gelegt hatte, gelang es erfahrenen
Weltenbummlern endlich, die Einheimischen zu beruhigen.
Es handelte sich um ein anderorts gar nicht so ungewöhnliches
Naturschauspiel. Doch wie erklärt man einem Maulwurf
das das Konzept von Sonnenschein?
Ganz so schlimm ist es natürlich nicht. Zumindest im
Winter ist es in Irland oft wärmer als in Athen. Es
wird gelegentlich zwar mal kalt, viel unter Null ist allerdings
die absolute Ausnahme. Meistens sind es zwischen 5 und 11
Grad.
Richtig traurig ist es vor allem im Hochsommer. Wenn andernorts
die Menschen unter den immer extremeren Hitzwellen mit 30
bis 40 Grad leiden, steht man selbst leise zitternd im Pullover
herum und schaut den Iren beim Schwimmen zu. Die kriegen
bei über 20 Grad nämlich Kreislaufbeschwerden
und springen ins Meer.
Im Prinzip würde ich das schon auch ganz gern, schließlich
gibt es hier einige der schönsten Strände überhaupt,
allerdings ist die Vorstellung, mit den Robben von Eisscholle
zu Eisscholle zu schwimmen, ein wenig zu erfrischend. Und
ich ganz persönlich gerate bei 20 Grad auch nicht ins
Schwitzen. Nun ist meiner einer natürlich aber auch
kein echter Ire, deshalb jammern me auch nicht. Da kann
das Wetter ja schließlich nichts dafür. Wenn
man mich mit Guinness groß gezogen hätte, wer
weiß? Da fände ich es hier wahrscheinlich kaum
zum Aushalten!
Die
beste Zeit zum Reisen
Eine
generelle Empfehlung zum Thema Reisezeit zu geben, ist unmöglich.
Mein ganz persönlicher Verdacht - und ich schaue mir
das Desaster ja nun schon eine ganze Weile an - ist, dass
die besten Monate zum Reisen Mai und September sind oder
zumindest zu sein scheinen.
Am Besten, man schaut auf die europäische Großwetterlage
und hält nach mächtigen Wolkenwirbeln über
dem Atlantik Ausschau. Unter einem dieser Wirbel liegt zumeist
Irland, man muss nur noch den richtigen finden. Eine Garantie
gibt es natürlich nicht, weder im Bezug auf Regen noch
auf Sonne. Um fair zu sein, das gibt es anderswo auch nicht.
Manchmal regnet es sogar in der Wüste. Wenn man Pech
hat und gerade da seinen Sahara-Trip geplant hat, "tough
luck" wie man so schön sagt, Pech gehabt.
Und nur weil Einer es geschafft, in der Sahara nass zu werden,
würde er hinterher ja wohl auch nicht behaupten, dass
Wetter in der Sahelzone sei ganz im Allgemeinen besch....eiden.
Ähnlich ist es auch auf der Grünen Insel. Manche
Leute haben halt Pech und holen sich einen Sonnenbrand.
Aber beschweren ist nicht! Außerdem fährt man
nach Irland nicht wegen des schönen Wetters, sondern
weil es lustig ist.
Viele
Sachen wirken auch gar nicht authentisch, wenn die Sonne
scheint. Irland sieht da so unwirklich aus. Entlang der
Westküste, im leichten Nebel, bei gelegentlichem Niesel
und einer steifen Brise, da kommen romantische Wallungen
auf und der Hot Whisky schmeckt auch gleich viel
besser.
Die einzig vernünftige Empfehlung in Irland ist sowieso,
das Wetter ganz schlicht und ergreifend zu igorieren. Am
Besten mit dem Schlimmsten rechnen und sich angenehm überraschen
lassen. Zumindest der Teil mit "das schlimmste annehmen",
klappt bei mir immer.
Ein Pessimist sieht halt, dass es fast jeden Tag regnet,
allgemein nicht gerade sommerfrisch und eigentlich ständig
irgendwie auch windig ist, ein Optimist sieht nur, dass
fast jeden Tag auch mal die Sonne herauskommt.
Dass der Himmel am Morgen wolkenverhangen ist, bedeutet
nicht, dass es nicht noch ein wunderschöner Sonnentag
werden kann. So ist das. Irland steckt nicht nur voller
Kneipenphilosophen sondern auch voller Optimisten. Da kann
es schon mal passieren, das bei Sturm und Regen durch die
Pampa läuft und ein glücklicher Bauer einem "Top
o' the morning, is it?" zuruft. Da lächelt
man am besten einfach nur und sagt: "Yeah, thank
god. Finally we got some rain. I haven't been to the pub
in hours." Bei der Antwort lächelt garantiert
jeder Ire und fragt einen mit ziemlicher Sicherheit, wo
man denn herkommen würde. Mit etwas Glück kommt
er mit in den Pub und schon hat man seinen ersten Einheimischen
kennen gelernt. Die Iren mögen optimistische Leute.