Pub in Galway

Droht Irland ein Restaurantsterben?

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Gleich vier Versicherungsunternehmen haben ihren Rückzug aus dem Gastgewerbe für 2020 verkündet. Damit dürften Policen deutlich teurer werden. Droht Irland ein Restaurantsterben?

Es mag erst einmal nicht naheliegend sein, aber der doch recht plötzliche Rückzug der vier großen Versicherer könnte zu einem Drama werden für die irische Restaurantbranche. Die Margen im Sektor sind eher klein. Wenn sich die Versicherungsprämie spontan verdoppelt oder sogar verdreifacht, ist das nicht nur für kleine Cafés existenzbedrohend. Potenziell sind hunderte Lokale und ganz explizit auch Cafeterien bedroht und könnten schließen.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Nein, natürlich nicht. Kitas standen kürzlich vor demselben Problem. Dort half die Regierung in Gestalt des Department’s Payment Support Programm – mit einer Einmalzahlung aus. Im Falle des Gastgewerbes lehnen offizielle Stellen das bisher ab. Angeblich ist es der Regierung nicht möglich, im freien Markt zu intervenieren. Und so ganz unrecht hat sie damit nicht.

Es lohnt sich für die Versicherer nicht

Ein Schelm wer Böses dabei denkt, aber es könnte sein, dass Versicherungen geradezu darauf spekulieren. Es ist ja nicht so, dass sie in dem Geschäft bisher Miese gemacht hätten.

Konkret geht es hier um AIG, Axis, Contessa und Surestone. Die Tatsache, dass sie sich alle zur selben Zeit aus einem Markt zurückziehen, hat schon ein Geschmäckle. Der Chef des Interessenverbands (Restaurant Association of Ireland) Adrain Cummins überlegt entsprechend, die Wettbewerbskommission einzuschalten.

Zudem stellt er fest, dass die Begründung – angeblich ist die Zahl der Schadensfälle zu hoch und das Geschäft lohnt sich nicht – etwas fadenscheinig ist in Anbetracht der Zahlen, die besagte Unternehmen präsentieren. Wo kommen dann die exorbitanten Gewinne her?

Zudem darf man sich fragen, welche Schadensfälle in zum Beispiel einem Café denn so anfallen. Schließlich gehen die Leute dort rein, um einen Kaffee zu trinken.

Regierung kann nicht helfen

Eine Sprecherin des Staatsminister Michael D’Arcy machte jedenfalls klar, dass die Regierung aktuell keinen Handlungsdruck spürt. Zum einen habe der Sektor sie gar nicht offiziell um Hilfe gebeten, außerdem hätten sie keinerlei Handhabe, um gegen die Versicherungen vorzugehen oder ihnen Vorschriften zu machen, wie sie ihre Preise gestalten oder aber welche Sektoren sie abzudecken haben.

Vermutlich hat sie damit gar nicht mal Unrecht. Normalerweise regelt so etwas der freie Markt.

Interessant wird nun zu sehen, wie weit das Problem sich ausweitet. Bisher dreht sich die Diskussion um Cafés und Restaurants, im Prinzip könnte es aber auch Pubs und Hotels betreffen.

Droht Irland ein Restaurantsterben? Nun ja, am Ende wird sich zeigen, wie viele aufgeben müssen, weil die Versicherungsprämie ihren gesamten Gewinn auffressen würde. Wahrscheinlich droht Irland aber kein Restaurantsterben, sondern ein Gastgewerbesterben inklusive zum Beispiel der Pubs, die ohnehin schon zu kämpfen haben. Unnötig zu erwähnen, dass da auch jede Menge Jobs dranhängen und gerade in strukturschwachen Gegenden.

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