Absurdes Verkehrsschild in Irland

Führungswechsel in der Raserkartei

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Rasen in Irland funktioniert anders. Geschwindigkeitskontrollen sind einigermaßen fair, vor allem im Vergleich zur deutschen Wegelagerei. Dass in Irland so einiges anders ist, wissen wir ja schon. Genau diesem Thema widmet sich diese Webseite ja auch. Eines meiner persönlichen Highlights ist allerdings die offizielle Raserkartei. Eine solche führt die irische Polizei nämlich schon seit längerem.

Garda – so heißt die Polizei in Irland – hat nun bekannt gegeben, dass es einen neuen Spitzenreiter gibt. Im County Galway nahe Loughrea wurde ein Motorist (so heißen Kraftfahrzeugführer in Englisch) mit stolzen 234 km/h gestoppt. Bei der Geschwindigkeit zuckt in Deutschland keiner zusammen, in Irland gilt allerdings auch auf Autobahnen eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Der Autofahrer hat die zulässige Höchstgeschwindigkeit also um fast das Doppelt überschritten. Das ist schon nennenswert.

Mit seinen 234 löste er den bisher Führenden ab, der auf einer zweispurigen Straße 201 statt der erlaubten 100 km/h gefahren war. Ich kenne die Straße in der Nähe von Kill und sie hat das Niveau einer deutschen Autobahn. Unter Raserei läuft das wohl trotzdem.

Die insgesamt 28 Garda Abteilungen veröffentlichen diese Liste, um die Leute zu ermuntern, vom Gas zu geben. Was die Sache skurril macht ist allerdings eine andere Botschaft.

So funktioniert Geschwindigkeitskontrolle in Irland

Ich will euch dazu mal eine Frage stellen. Was glaubt ihr hat die Aktion den 234 auf einer 120er Strecke fahrenden Motoristen gekostet? Führerscheinentzug für 2 Jahre und 800 Euro vielleicht? Noch mehr? Ganz falsch.

Von den 28 erwischten Rasern auf dieser Liste, die alle mit stark überhöhter Geschwindigkeit gefahren sind, haben – und das ist die offizielle Aussage der Polizei – 23 Fahrer ihre Strafe von 80 Euro (in Worten achtzig!!! Euro) schon akzeptiert und bezahlt. Fast noch unfassbarer; fünf der Raser sind dagegen vor Gericht gegangen, um die Strafe anzufechten.

Ganz ehrlich, wenn ich mit 234 km/h auf einer 120er Strecke geblitzt werde und mit 80 Euronen davon komme, ich würde der Polizei ein Dankesschreiben schicken. Es ist eigentlich unfassbar, dass es in Irland eine sogenannte „fixed fine“ gibt, eine feste Strafe. Es ist quasi egal, um wie viel man die Höchstgeschwindigkeit überbietet, es kostet immer dasselbe.

Im Umkehrschluss würde ich mich ja ärgern, wenn ich mit „nur“ 130 auf der Autobahn geblitzt werde. Ich verstehe die Iren an der Stelle wirklich nicht. Ein jugendlicher Boy Racer mit frisch erworbener Fahrerlaubnis und einem vielleicht günstig geschossenen, hochbestücktem Boliden muss sich von solch einer Liste doch geradezu herausgefordert fühlen.

Ich will die Wegelagerei in Deutschland nicht verteidigen. Die gut versteckten Blitzer auf einem schnurgeraden Autobahnstück mit Tempo 100 haben keinerlei verkehrserzieherischen Wert. Immerhin macht der deutsche Strafenkatalog Sinn. Ich weiß genau, dass die ersten 20 km/h mehr oder weniger folgenlos sind und entsprechend fährt der Deutsche ja auch. In Irland sehe ich den Bußgeldkatalog eher als Ansporn, dass wenn schon zu schnell, man auch gleich ordentlich Gas gibt. Rasen in Irland funktioniert halt anders.

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