Malinhead - angeblich eine der sonnigsten Gegenden Irlands

Rundreise durch Irland VI – Nord Nordost

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Im letzten Teil unserer kleinen Reise bleiben wir in nördlichen Gefilden. Genauer gesagt geht es für unsere Rundreise nach Nord Nordost. Wir fahren mach Inishowen an den äußersten Zipfel der Republik und dann geht es rüber nach Nordirland. Dort ist es nämlich auch sehr schön.

Von Tory aus halten wir uns zunächst östlich. Eine hübsche Route führt in Gestalt der N56 an der Küste entlang über Carrowcannon und Dunfanaghy. Wenn ihr viel Zeit übrig habt, solltet ihr von Dunfanaghy aus einen Abstecher auf die vorgelagerte Halbinsel machen. Der ultimative Aussichtspunkt dort heißt „The Ross“.

Letterkenny

Das Etappenziel für den Moment heißt Letterkenny. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, da hin zu kommen. Am Schnellsten geht es, wenn ihr einfach der N56 folgt, spannender und schöner ist, der R245 zu folgen über Carrigart und Milford. Dort geht die R246 ab, die euch in einer Schleife durch die gesamt Halbinsel führt. Wenn ihr genügend Zeit mitgebracht habt, würde ich diesen Abstecher wärmstens empfehlen. Ich springe einfach mal nach Letterkenny.

Ich persönlich kann der Stadt nicht viel abgewinnen, vielleicht habe ich mir aber auch einfach nicht genug Zeit genommen. Letterkenny ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und mit knapp 20.000 Einwohnern größte Stadt im County Donegal. 2008 verlor sie den Titel Tidiest Large Town (ordentlichste Stadt) gewann dafür aber eine Goldmedaille im Entente Florale, einer Art paneuropäischem Wettbewerb für schönere Städte. Da macht natürlich auch Deutschland mit. 2008 hat für Deutschland der längste Tresen der Welt die Fahne hoch gehalten, was unsere Düsseldorfer Freunde ehrt und adelt.

In Letterkenny suchen wir zunächst nach der N14 und folgen der bis sie auf die N13 trifft. Der folgen wir in Richtung Derry (auch Londonderry) und an der Stelle müsst ihr nun etwas aufpassen. Bei Bridge End zweigt die R238/239 von der N13 ab und wir halten uns links. Von dort folgen wir der R238 nach Buncrana und von dort nach Malin. Beide liegen auf Inishowen, der nördlichsten Halbinsel Irlands. Das ist unser Etappenziel.

Malinhead – da wo Irland so wirklich zu Ende ist

Unser eigentliches Ziel ist Malinhead, ein winziges Dorf an der Nordspitze der Halbinsel. Dort finden sich spektakuläre Spektualitäten wie das nördlichste Pub Irlands, der nördlichste Supermarkt Irlands, dass nördlichste Hostel Irlands und – last but not least – der nördlichste Punkt Irlands. In Malinhead geht also ordentlich die Post ab.

Malinhead - angeblich eine der sonnigsten Gegenden Irlands
Malinhead – angeblich eine der sonnigsten Gegenden Irlands

Wenn ihr euch im Schneckengang vorwärts bewegt und alle 5 Meter ein Päuschen einlegt, schafft ihr die schnelle Tour in ca. 1 Stunde. Es gibt aber auch eine hübsche Rundwanderung an den Klippen entlang, die dann lange genug dauert, die weite Anreise zu rechtfertigen.

Die Klippenlandschaft ist mächtig beeindruckend, die ganze Gegend einfach nur wunderschön. Am nördlichsten Punkt (Banbas Croan) steht eine kleine Festung, von der man früher Schiffen den Weg nach Amerika wies. Von dort sieht man ganz prima, dass man tatsächlich in Irland ist. Um Verwechslungen vorzubeugen hat man dort nämlich ein Mosaik gelegt, dass sagt EIRE.

Nicht weit entfernt davon steht die Wetterstation. Wenn der lokale Wetterfrosch nicht gerade abgetaucht ist, kann man sich von ihm eine Rundtour geben lassen.

Wo wir gerade beim Wetter sind; Rodney – seines Zeichens Betreiber des lokalen Hostels – hat mir allen Ernstes erzählt, dass Malinhead der sonnigste Flecken in ganz Irland ist. Dem würde ich jetzt gern widersprechen und Rodney einen elenden Lügner strafen, der ahnungslose Touristen in sein Hostel locken will, Tatsache ist aber, dass bei all meinen Besuchen dort, die Sonne geschienen hat. Ich werde mich also mit Kritik zurück halten.

Die locals haben immer Recht!

Rodney scheint sowieso ein ganz schlauer zu sein. Als ich das erste Mal dort übernachtete, erzählte er mir ganz stolz, dass den Abend noch zwei junge Damen aus der Haupstadt eintreffen würden, die ich ja vielleicht kennen würde. Ich wies ihn höflich aber bestimmt darauf hin, dass Dublin eine Millionen Einwohner Metropole ist und dass die Wahrscheinlichkeit entsprechend gering sei. Wenn ich jetzt sage, dass ich eines der Mädels tatsächlich kannte, werdet ihr sicher nicht überrascht sein. Die Welt ist nun mal ein Dorf und Rodney hat immer Recht.

Hostel in Malinhead
Hostel in Malinhead

Ein weiterer Platz, die Füße zu strecken, ist Malin selbst. Von Malinhead aus sind das nur ein paar Minuten mit dem Auto. Das Dorf ist ganz putzig und für Freunde eines guten Pints eine echte Offenbarung. Das muss ich kurz erklären.

Da das Hostel in Malinhead ausgebucht war, übernachtete ich zur Abwechslung mal in einem der lokalen B&B’s in Malin. Der Besitzer war ein recht geschwätziger Zeitgenosse und er hatte großen Gefallen an meiner Begleitung gefunden. Er hörte gar nicht mehr auf zu reden, ich ganz persönlich freute mich allerdings auf ein kleines Schwarzes in der lokalen Schänke. Ich fragte unseren Gastgeber also, wann denn wohl das Pub schließen würde. Seine Antwort: Oktober (wir schrieben April).

Ich fand die Antwort etwas eigenwillig aber na ja, wir waren halt auf dem Land und zu dem Thema haben Städter wie ich ja eine Theorie. Nach etwa 2 Stunden hatte ich die Mädels losgeeist und wir zogen in die „Stadt“. Mittlerweile war es 22.30 also gerade noch genug Zeit für ein Schnelles. Wie hatte ich mich getäuscht.

Malin

Wir tranken eins und dann noch eins und noch eins. Es wurde ruhiger im Pub aber auf Nachfrage bekamen wir sogar noch ein Bier. Nun war ich mir zwar nicht so ganz sicher wie spät es es geschlagen hatte, aber ganz sicher war es nach 12. Der Tresen hätte also lange hochgeklappt sein müssen. Ich frug die Barfrau, was denn die Turmuhr spräche und bekam zur Antwort: 2 Uhr. Das wäre auf einen Sonntag selbst für Dubliner Verhältnisse spät gewesen aber gut. Ein weiteres Guinness später hielt ich einen Schwatz mit dem Manager des Ladens und erkundigte mich nach dem Schankschluss.

Das nördlichste Pub der Insel - Farrens Bar
Das nördlichste Pub der Insel – Farrens Bar

Er erklärte mir, dass Schankschluss ist, wenn die Gäste gehen. Das war eine etwas ungewöhnliche Antwort für einen irischen Wirt. Er führte daraufhin aus, dass es ihn einen Kehricht kümmere, was Dublin in seiner unendlichen Weisheit beschließe und das man hier am Arsch der Welt sei, wo das eh keinen kümmere. Ich mochte seine Einstellung.

Als Höhepunkt des Abends fuhr er uns dann auch noch zurück ins B&B, da er eine Wanderung auf den dunklen Straßen für zu gefährlich befand. Anscheinend hatte es meine Begleitung auch ihm angetan. Trotzdem, ich war beeindruckt. Das nennt man Service!

Inishowen

Inishowen ist wunderschön, skurril und freundlich. Ich empfehle den Besuch daher ausdrücklich. Da man sich dort praktisch nicht verfahren kann, ermuntere ich euch ausdrücklich, auch die Seitenstraßen zu erkunden. Ihr werdet feststellen, dass wie aus dem Nichts plötzlich fantastische Aussichtspunkte auftauchen.

Inishowen - der nördliche Zipfel Irlands ist eine atemberaubende Gegend
Inishowen – der nördliche Zipfel Irlands ist eine atemberaubende Gegend

Auf der Rückfahrt solltet ihr auch noch einen Stopp an dem Ringfort Grianan of Aileach einlegen. Es liegt in unmittelbarer Nähe von Inishowen, es ist also kein großer Umweg. Das Ringfort mag nur mittelmäßig spektakulär sein und die Fahrt den Berg hoch mühsam, aber der Blick von dort ist beeindruckend. Ihr seht fast die gesamte Halbinsel zu euren Füßen.

Unsere kleine Rundreise durch die Republik ist damit eigentlich zu Ende. Ans Herz legen möchte ich trotzdem die Rückroute durch Nordirland. Tanken solltet ihr übrigens vorher, Sprit ist traditionell billiger in der Republik.

Über die Grenze nach Nordirland

Von Inishowen aus fahrt nach Derry. Der Ort ist ziemlich idyllisch gelegen und hat durchaus seinen Charme. Von dort könnt ihr die A2 nach Belfast nehmen, auf dem Weg liegen allerdings ein paar interessante Flecken Erde, die ich noch kurz erwähnen möchte.

Das gäbe es Dunluce Castle, dass zumindest eingefleischten Jackie Chan Fans bekannt vorkommen wird (auch wenn sie es vielleicht noch nicht wissen). Es spielte eine prominente Rolle als Refugium des Schurken Snakehead in dem insgesamt eher schwachen Film „The Medallion“.

Giants Causeway gilt als eines der Highlights von ganz Irland
Giants Causeway gilt als eines der Highlights von ganz Irland

Weiter an der Küste entlang kommt ihr noch an einem der landschaftliche Highlights der ganzen Insel vorbei: Giants Causeway. Nicht weit entfernt davon liegt Carrick-a-Rede, eine kleine Vogelinsel, die a) ziemlich interessant und b) nur über eine Seilbrücke erreichbar ist. Das macht Laune und ihr kriegt sogar ein kleines Zertifikat, wenn ihr euch getraut habt.

Carrick-a-Rede - nichts für Leute mit Höhenangst
Carrick-a-Rede – nichts für Leute mit Höhenangst

Auch Belfast mag ich persönlich sehr gern. Den schlechten Ruf in Sachen Dreckloch und Straßenkämpfe, Mord und Terror könnt ihr vergessen. Belfast ist eine moderne, aufgeschlossene und freundliche Metropole, die mit einer Menge Altlasten, Ballast und Vorurteilen kämpfen muss. Ich sage dazu nur so viel: Alles Unfug!

Belfast City Hall - Die Hauptstadt Nordirlands ist durchaus sehenswert-
Belfast City Hall – Die Hauptstadt Nordirlands ist durchaus sehenswert-

Ich mag Belfast gern und finde es wesentlich schöner als zum Beispiel Dublin. Da das britische Pfund praktisch nichts mehr wert ist, kann man sich die kleine Verschnaufpause in der Hauptstadt der abtrünnigen Provinzen mittlerweile auch finanziell leisten.

Geschafft

Soooooooo und damit kommen wir endlich zum Ende dieses Marathons. Ich hoffe, es hat Spaß gemacht und hilft euch bei der Planung. Ich wünsche euch viel Spaß auf der Grünen Insel.

Denkt daran; einiger meiner Ausflüge sind schon ein paar Tage her. Manche Sachen ändern sich. Und wenn die Briten so weiter machen, könnt ihr Nordirland vielleicht bald wieder vergessen.

Mein wichtigster Rat für die Planung eurer Reise wäre: Die wahre Attraktion von Irland sind die Menschen. Hetzt nicht nur von Aussichtspunkt zu Sehenswürdigkeit zu Aussichtspunkt. Nehmt euch Zeit. Weiniger ist manchmal mehr und das gilt in Irland noch mehr als anderswo.

Sláinte

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